DIE HAUSHALTUNG GOTTES
BAND 1

Die Urgeschichte der Menschheit

- Kapitel 27 -


 
I
ch will nicht gedenken der Mißhandlungen, die bei einem solchen Bau stattfanden, sondern Ich will euch zur Hauptsache leiten. - Als nun die Städte vollends erbaut waren, da traten die zehn Fürsten zum Hanoch und sprachen: ,,Hanoch, du großer, erhabener Gott aller Macht und Kraft (NB. obschon er schon schwächer war denn eine Mücke und gar keine Macht mehr besaß) und allergrößter Herr aller Gerechtigkeit (NB. welche nichts als Dieberei, Hurerei, Betrügerei, alles Böse, Gefühlskälte, Schlangenbrut, Grausamkeit, Lüge, Schmeichelei und Frevel aller Art zugrunde hatte)! Siehe, dein Volk ist groß geworden unter der allerweisesten Führung deiner grenzenlosen, unbegreiflichen und unerforschlichen Gerechtigkeit (NB. Das war wahrhaft eine grenzenlose, für ihn ganz unbegreifliche und noch mehr aber noch gänzlich unerforschliche Gerechtigkeit) und hat sich ausgebreitet im ganzen, weiten Lande deiner göttlichen Herrlichkeit und kann daher nicht mehr übersehen werden von dieser deiner hohen Wohnung, und wenn wir sie aus den Augen ließen, so würden sie dann tun, was sie wollten; ja, sie könnten sich sogar so weit verirren, daß sie statt dich, dem doch nun alleinig alle Anbetung gebührt, wieder den alten Gott Cahins anzurufen und anzubeten anfingen, und es könnte diesem alten Gotte doch wieder einfallen, irgend jemanden von ihnen zu erhören und ihn mit einer unbesiegbaren Macht auszurüsten, wonach er dann ein großes Volk um sich sammeln, über uns herfallen und uns endlich sämtlich vernichten möchte. (NB. Solche Besorgnisse geziemen sich sehr wohl für einen so mächtigen Gott!)
 
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Und siehe, als der Kad beendet hatte seine Rede, da erhob sich Kahrak und sprach: ,,Brüder, wenn es so ist, da haben wir ja eine gewonnene Sache! Seht, was mich anbelangt, so stimme ich vollkommen dem Kad bei; müßten wir denn nicht Narren sein, größer denn ganz Hanoch, so wir Mächtigeren ihn füttern sollten für nichts als zur Bestärkung seiner Narrheit und ihn mästen auch noch dazu, damit er noch geiler würde, zu beschlafen unsere schönsten Weiber, und so sie ihm nicht mehr schmeckten, wir uns, wie ihr alle wißt, erst noch eine außerordentliche Gnade daraus machen sollen, wenn er einem eine überläßt?! Da glaube ich, wir behalten die schönsten für uns! Die weniger schönen geben wir unseren Dienern; die übrigen sollen ein Eigentum sein unserer Untertanen, und der Hanoch kann dafür ein Blutlecker seiner eigenen Töchter werden und die Schande schmecken aus seiner eigenen Faust und mager werden wie das Bein eines Bockes und essen mit den Kälbern und trinken mit den Vögeln! Und wie er tat mit unserem Vater, warum sollen wir ihm nun nicht ein Gleiches tun?! Hat er sich auch Dinge vorbehalten, was zu tun vergaß der Vater Cahin und mußte fliehen, da er doch sein Vater war wie der unsrige! Und seht, er ist uns nur ein dummer Bruder; was soll uns denn nun hindern, ihm zu entgelten die Flucht Cahins?! - Seht, das ist meine Meinung, vorteilhaft für jeden von uns, da ich von meiner Seite tun werde dem alten Gotte, wie es Kad für recht und wirksam sehr weise fand!"
 
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Aus allen ertönte nur ein einstimmiges Einverständnis auf die Rede Kahraks, worauf sich Nohad erhob und zu reden anfing, sagend: ,,Ihr kennt mein Amt und Fach, dem ich nach dem Willen Hanochs vorgestanden habe und mit aller Treue, allem Fleiße und Eifer! Doch frage ich euch alle, was ich davon die lange Zeit hindurch gewonnen habe, so wird mir gewiß jeder von euch die Antwort geben: Nichts weiter und nichts mehr als nichts! Das heißt: Ich half dem größten Betrüger betrügen und war somit selbst ein betrogener Betrüger; ich mußte seines Heucheltruges wegen vor der Menge schlecht leben, mir öffentlich - bloß einer dummen Scheinheiligkeitsmeinung halber - als allerstrengster Rechtlichkeitspfleger jeden heiteren Genuß versagen, um dafür geheim statt eines Lobes und einer unsichtbaren Entschädigung und Vergütung für öffentliche Unbilden von seiner unbegreiflichen Narrheit noch die allerderbsten Verweise und Drohungen aller Art zu empfangen. Ihr alle habt es leichter gehabt und konntet tun nach eurem Vergnügen vieles, was zu tun mir unmöglich war, da ich gerade an der Spitze seiner rechtlichen Narrheit stand und mußte tun und in genaue Ausführung bringen jeden seiner tollsten und verabscheuungswürdigsten Wünsche, damit sie dann durch meine gezwungene Heuchelei, worauf ich mich wohl verstand - oder eigentlich wohl verstehen mußte -, irgendeinen rechtlichen Anstrich bekamen, wofür ich dann als rechtmäßiger Betrüger mich der Vollgültigkeit meines Betruges wegen wieder habe müssen betrügen lassen, und das dreifach: zuerst vom Hanoch des Rechtes wegen, fürs zweite von mir selbst des Volkes wegen, und fürs dritte vom Volke und euch allen des Hanoch wegen. Ich glaube, euch einen hinreichenden Grund meiner vollsten Unzufriedenheit an den Tag gelegt zu haben und dadurch auch meine Truggestalt vor euch zu den Füßen. Und nun urteilet selbst, ob ich etwa unrecht habe, wenn ich aus Dankbarkeit für solche Anerkennungen den dreifachen Betrug von mir nehme und ihn so mit aller Gewalt auf Hanochs Haupt hinschleudere, da ich ihn enthüllen werde vor dem Volke. Und er möge dann hernach sehen, wohin seine Gottheit den Lauf richten wird, und soll ihr nachrennen wie ein Hinkender einem Hirsche. Und somit will ich auch tun, was der Kad für gut fand, und will den Rat Kahraks in die genaueste Ausführung bringen, und meine Abgaben sollen unschädlich sein seinen Augen, und das Getrabe meiner Kamele wird nicht belästigen sein Ohr. Und so nehme ich Besitz von der Stadt meines Namens."
 
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